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Freitag, Dezember 2, 2022

911 GT3 im ultimativen Le Mans Look von 1985

SUPERCARS

911 GT3 im Look des 956 Le-Mans-Siegerfahrzeug von 1985

Bilder, Pokale oder RennanzĂŒge – das sind typische ErinnerungsstĂŒcke einer Motorsport-Karriere. Paolo Barilla, Le-Mans-Gesamtsieger von 1985 auf einem privat eingesetzten Porsche 956, hat einen anderen, weitaus dynamischeren Umgang mit seinem grĂ¶ĂŸten sportlichen Erfolg gewĂ€hlt.

AnlĂ€sslich seines 60. Geburtstages hat er als erster Kunde zusammen mit der Porsche Exclusive Manufaktur ein Fahrzeugprojekt im Rahmen des neuen Sonderwunsch Programms realisiert, das die Bezeichnung Traumfahrzeug verdient. Der italienische Unternehmer entschied sich dazu, angelehnt an sein Le-Mans-Siegerfahrzeug einen höchst individuellen Porsche 911 GT3 (992) mit zu entwerfen und an seiner Entstehung umfassend mitzuwirken. Neben dem charakteristischen Renn-Look in sommergelb, weiß und schwarz trĂ€gt dieses besondere Fahrzeug die Startnummer 7 seines siegreichen 956 auf der Fronthaube und den TĂŒren. Weitere Details wie HeckflĂŒgel oder Schalthebel wurden ebenfalls neu interpretiert und teilweise eigenstĂ€ndig entwickelt.

„Das einzigartige Kundenerlebnis steht im Zentrum der Marke Porsche“, sagt Alexander Fabig, Leiter Individualisierung und Classic bei Porsche. „Darum ist das wesentlich erweiterte Sonderwunsch-Angebot ein weiterer Meilenstein in Bezug auf die Begeisterung unserer Kunden weltweit. Und dieses Fahrzeugprojekt ist die absolute Krönung der Individualisierung durch die Porsche Exclusive Manufaktur.“

„In den Achtzigern hatte ich die Gelegenheit, einen wundervollen Porsche 956 zu fahren – eine Ikone in Bezug auf Leistung und Schönheit“, betont Paolo Barilla, Ex-Rennfahrer und stellvertretender Vorsitzender des italienischen Nahrungsmittel-Konzerns. „Die Neuinterpretation einiger Elemente in einem aktuellen 911 GT3 macht diese Erinnerung lebendig und aufregend. Nicht nur fĂŒr mich, sondern auch fĂŒr die Menschen, die mir nahestehen.“

„Auch fĂŒr Porsche war die Zusammenarbeit mit Paolo Barilla ein ganz besonderes Projekt. Denn nicht nur der in Handarbeit gefertigte 911 GT3 ist höchst individuell, auch sein Entstehungsprozess ist einzigartig“, so Fabig weiter.

Der 911 GT3 aus jeder Perspektive individuell

Zu den besonderen Merkmalen dieses 911 GT3 zĂ€hlt die auffĂ€llige Exterieurlackierung in sommergelb, weiß und schwarz. Sie interpretiert das Streifendesign des historischen Rennwagens neu. Auch das Unterteil des Bugs ist sommergelb lackiert, ebenso tragen die Zierringe in den Scheinwerfern diese Farbe. Die Optik der Zentralverschluss-RĂ€der ist von den Felgen des Porsche 956 inspiriert. Im Renneinsatz besaßen die VorderrĂ€der weiße Aero-Blenden. Die 911 GT3-Felgen sind an der Vorderachse nun ebenfalls weiß, an der Hinterachse hingegen in einem zeitgenössischen Goldton lackiert.

Die Sideplates des Heckspoilers greifen ebenso Design und Geometrie ihres historischen Vorbildes auf. Im „Rapid-Prototyping“-Verfahren entstanden zunĂ€chst Musterbauteile. Aerodynamische Performance und insbesondere die Balance zwischen Vorder- und Hinterachse sollten selbstverstĂ€ndlich erhalten bleiben. Darum wurde frĂŒh der Aerodynamiker des Serien-911 GT3 ins Projekt geholt. Der modifizierte HeckflĂŒgel musste seine Strömungseigenschaften im Windkanal beweisen. An den Flanken steht „PB 60“, also die Initialen und der runde Geburtstag von Paolo Barilla. Dieses Logo lehnt sich stilistisch an die Grafik des damaligen Hauptsponsors des Le-Mans-Siegerfahrzeuges an.

Einzigartiges Interieur im 911 GT3

Rennwagentypisch dominiert im Interieur die Farbe Schwarz. Die Einstiegsleisten in den TĂŒren und die gelbe Zierblende an der Schalttafel auf der Beifahrerseite ziert ein eigens mit dem Kunden gestaltetes Logo: Es setzt sich zusammen aus dem Typcode 956, dem Schriftzug „Le Mans 1985“ und der stilisierten Silhouette des Rennwagens. In die KopfstĂŒtzen sind besagter Schriftzug sowie die damalige StreckenfĂŒhrung gestickt. Der Schalthebel erinnert an die Magnesium-Kugel des Renn-956 und ist eine aufwendige Sonderanfertigung: Das Oberteil wurde aus einem Aluminium-Block gefrĂ€st, die OberflĂ€che geschliffen.

Im Rahmen des neu geschaffenen Sonderwunsch-Angebots ĂŒbernahm der Kunde die Rolle des Projektleiters. Als Teil des Projektteams, bestehend aus Experten der Porsche Exclusive Manufaktur und dem Designbereich Style Porsche, hat Barilla unmittelbar an der Umsetzung seines Traumfahrzeuges mitgearbeitet. Insgesamt drei Jahre hat der Prozess von der ersten Designskizze, ĂŒber die PrĂŒfung der technischen Machbarkeit bis zum Bau gedauert. Die Ausarbeitung startete noch auf Basis des VorgĂ€nger-GT3-Fahrzeuges, da der Typ 992 noch mitten in der Serienentwicklung war.

„Viele Male hĂ€tte es in diesem Projekt gute GrĂŒnde gegeben, zu sagen ‚Geht nicht!‘ oder ‚Zu kompliziert‘“, so Philipp Setter, Leiter Sonderwunsch Kundenberatung der Porsche Exclusive Manufaktur. „Nachdem wir uns entschlossen hatten, die Herausforderung anzunehmen, haben wir etliche Grenzen ĂŒberwunden und konnten vieles schließlich doch realisieren. Mit seiner klaren Vision, dem GespĂŒr fĂŒr den engen Zeitplan und der Entscheidungsfreudigkeit war Paolo Barilla der richtige Kunde und Projektleiter fĂŒr ein derart ambitioniertes Projekt.“

Sommergelb aus dem „Farbe nach Wahl“-Programm

„Ein solch direkter Kontakt zum Kunden ist das Beste, was einem als Designer passieren kann“, freut sich ebenso Grant Larson. Der Designer hat zusammen mit Harm Lagaay den ersten Boxster entworfen und ist aktuell als Design-Projektleiter fĂŒr Sonderprojekte bei Style Porsche zustĂ€ndig. „Ich arbeite bei Porsche, weil ich dort Traumwagen entwerfen kann. Aber die Sonderwunsch-Projekte sind nochmal eine andere Dimension: Der persönliche Austausch mit dem Auftraggeber ist extrem befriedigend und hilft in der tĂ€glichen Arbeit, die WĂŒnsche unserer Kunden noch besser zu verstehen.“ GrĂ¶ĂŸte Herausforderung fĂŒr Larson war es, das Grafik-Design vom extrem flachen und eckigen Rennwagen auf die rundlicheren Formen des aktuellen 911 zu ĂŒbertragen. „Das sind geometrisch sehr unterschiedliche Fahrzeuge“, so Larson, „das Layout ließ sich nicht einfach 1:1 transferieren.“ ZunĂ€chst arbeitete er digital am Computer, dann wurden die Linien mit einem LasergerĂ€t auf eine Test-Karosse projiziert und diese entsprechend lackiert. Drei Mal wurde probehalber lackiert, bis Designer Larson und Projektleiter Barilla zufrieden waren. Auch der warme gelbe Farbton musste sorgsam gewĂ€hlt werden, um nahe am historischen Vorbild zu sein und bei Kunst- und Tageslicht gleichermaßen zu funktionieren. Das Team entschied sich schließlich fĂŒr sommergelb aus dem umfangreichen „Farbe nach Wahl“-Programm der Porsche Exclusive Manufaktur.

„UrsprĂŒnglich hatte ich die Startnummern in den TĂŒren weiter in die Mitte des weißen Streifens rĂŒcken wollen. Aber Paolo Barilla bestand darauf, dass die ‚7‘ wie bei seinem Rennwagen sehr dicht am Rand stehen sollte“, erinnert sich Larson. Als Inspiration parkte wĂ€hrend der Projektphase ein 1:43-Modell des Rennfahrzeuges auf seinem Schreibtisch.

Integriert in die Porsche Familie

Drei Mal war Barilla in der Konzeptphase bei Porsche, um das Projekt vom Lastenheft bis zur Fertigstellung aktiv zu begleiten. In der Umsetzungsphase fanden hĂ€ufige Abstimmungen via Telefon, E-Mail oder Videokonferenz statt, und es folgten weitere Besuche – Werksausweis inklusive. „Über dieses Detail hat sich Paolo Barilla sehr gefreut“, so Setter. „Mit der persönlichen Übergabe des Porsche Werksausweises wurde er ganz offiziell Teil des Teams und unserer Porsche Familie.“

Und auch als Mitarbeiter in der Produktion, denn bei seinem EinzelstĂŒck hat Barilla selbst das Getriebe mit einer drehmomentgesteuerten Schraubvorrichtung an den Motor geflanscht. „Solche authentischen Erlebnisse machen Porsche letztendlich aus“, sagt Setter. „Unsere Kunden haben in der Regel schon sehr viel gesehen und erlebt. Aber bei Projekten mit einem solchen Umfang versuchen wir immer noch ein paar mehr TĂŒren zu öffnen, die sonst aus sehr gutem Grund verschlossen bleiben.“

Foto/Quelle: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

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